News, Kunst und Unterhaltung
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3. Oktober 2022

Oggtrebok

Gestern beim Filmfestival hab ich Maria&Jesus in Neuaflage gesehen. Wie im Boggstarken Märchen turtelten die Zwei, trafen Könige und Zauberer, wünschten sich ewige Treue und trennten sich dennoch, weil Maria eine Frau lieben lernte. Nur einer fehlte. Das ewige Kind.Das war kurz nach der Niederkunft zur Adoption freigegeben worden. Pfegeeltern nannten es Frank. Es verlor frühzeitig den Kontakt zu den Stammeltern. Die Filmgeschichte nahm ihren Lauf. Endete recht abrupt. Und ungenießbar. Seit dem Kinobesuch denke ich ständig an meine Fernbeziehung. Blöder Zeitunterschied.

20. September 2022

Second Life

Gestern im Shop bei den Artikeln für Männerhygiene spricht mich eine große Frau an, wo's denn die Biomüllsäcke gebe. Ich zucke mit den Schultern. Einen Moment bitte, ich frag mal meine Bekannte. Hallo meine liebe, bin bei Rosmann und eine entzückende Dame will wissen, wo die veganen Müllsäcke liegen. ...ach wirklich, ok, sag ich ihr, danke Krissie. Haben die aussotiert den Bioschrott, berichte ich der Hübschen weiter. Aber ich könnte ihnen eine gute Spülung empfehlen. Ich bin nämlich Influencer im zweiten Leben. Die Dame macht einen verblüfften Eindruck. Und im dritten Leben heirate ich sie. Jetzt lacht mein Gegenüber. Und im vierten Leben sind wir beide alt und grau und kennen uns nicht mehr. Das seien ja schöne Aussichten, meint die Dame. An ihren Winkeln lese ich sie aus. Ok. Sie wollen mich also mal auf Probe als Gatte testen, stimmts? Wie wärs heut Abend auf einen Drink in der Lunaba, ich bring meinen Anwalt mit?! Sie schmunzelt und willigt ein. Bin um acht da und bring meinen dritten Gatten mit. Dann sind wir zu viert. Das wird bestimmt sehr lustig mit euch zwei. Und übigens sie sei im echten Leben vom Escortservice. Es könnte also teuer werden für mich und meinen Anwalt.
Tschüss bis später. Ich geh dann mal die Männerhöschen bezahlen.

out: Der Schopping-Stalker
 

12. September 2021

Wo war Gott?

Hier ist Platz für Idee:n, den wir dich gemacht haben, damit du uns schreibst - wo Gott gewesen sein könnte. Sein Vertreter auf Erden reist künftig in Slowakai und Ungarn, aber das nur am Rande erwähnt. 

Na dann später für alle richten wir  dafür eine schöne Ideen Galerie ein.

Tschü, im Land der IDeen

29. August 2021

Storytelling: Blümchen für mich und dich

NewCity. Es sollte ein freundlicher Theaterabende werden. Wartend vor dem Haus, begrüßt mich ein Herr, reicht mir eine Blume, fragt nach meinem Namen, den er umgehend auf sein Tablet kritzelt und erkundigt sich nach meinem Gemütszustand - "sie fühlen sich wohl, ja?" Ich  bringe kein Wort raus - außer meinen Namen. Wo gibts denn so was? Begrüßung der Zuschauerin vor einem Haus der Kunst samt Geschenk und Gesundheitsscheck. Bekäme ich jetzt noch eine Maske gereicht, würde ich annehmen, es folgte die Einladung zum spontanen Coronatest. Die Tür zum Haus öffnet sich, ich nutze rasch die Gelegenheit, das Weite im Innenraum zu suchen. Hinter der Pforte werde ich direkt zur Garderobe gelotst. Mit einem Kompliment über mein fantastisches Aussehen nimmt mir ein freundlicher Mitarbeiter meinen Mantel ab, um ihn anschließend an einen vergoldeten  Garderobenhaken zu hängen. Ok, ich habe für das Ticket zum abendlichem Kunstgenuss bezahlt, aber soviel freundliche Dienstleister abseits des eigentlichen Geschehens kennt man nur bei Hofe, oder? Ich rechnete im nächsten Step mit der Frage, ob ich vor Beginn des Theaterabends noch eine Auffrischung meines Haarrschopfes wünschte. Leider trat niemand mit dieser Frage an mich heran. Wahrscheinlich Corona geschuldet.
Also setzte ich mich, bevor es mir vor lauter Freundlichkeit schwindelg würde. Das Haus füllte sich mit weiteren Gästen, die sich laut und polternd benahmen - so als hätten sie von den kleinen Aufmerksamkeiten nichts mitbekommen. Und so wie es aussah, kamen auch nur ein paar handverlesene Gäste in den Genuss von Annehmlichkeiten. Erkennbar waren sie alle durch eine Rose - in der Hand haltend. 


So liebe Leser, jetzt wird um ihre Kreativität gebeten. Wie würden Sie die Geschichte bis zum Dingdong und Beginn der Inszenierung weiter schreiben? Teilen Sie uns ihre Fortsetzung via Kontaktformular (linke Seite) mit. Wir freuen uns drauf.


Euer stellyseeTeam


📱  Vielen Dank für die schönen Geschichten. Wir haben noch nicht alle gesichtet und bitten euch daher um etwas Geduld. Sobald wir eine Auswahl getroffen haben, richten wir eine Seite ein, auf der ihr alle Storyteller findet. 



13. März 2020

Außerirdische planen Besuch der Erde

Freitagnacht 00:01 Uhr: Ja Leute, wir leben und lieben in schwierigen bisweilen aufregenden NewsZeiten - momentan. Nun erreicht uns aber eine Nachricht, welche uns mehr als erstaunt. Sie versetzt uns in Exstase. Wie wir von der Interstellaren Weltraumbehörde ESOC MEES (Hauptquartier ll in Hessen) erfahren haben, planen Außerirdische unsere Erde bereits in absehbarer Zeit zu besuchen. Sie kommen in Friedensmission, sind nicht auf den ersten Blick als Wesen eines anderen Planeten zu erkennen und sprechen unsere aller Sprachen. In Kürze will uns ESOC MEES über Örtlichkeit und Zeit der Niederkunft bei einem Qrater-Treffen mit weiteren Details dieser SensationsNews informieren. Wir berichten in Bälde alles Neue zu diesem Thema an euch weiter. (eu) 

Eure Redaktion

Di. 24.03.20
*** Update, 10:00 Uhr: Wir stoppen hiermit Publizieren von Nachrichten über Außerirdische, weil ESOC MEES aufgrund einer Nachrichtensperre nicht mehr informiert. Als Gründe geben sie an, technische Schwierigkeiten, fehlende Serverkapazitäten sowie Programmausfälle. Sorry, Ende der Berichterstattung

So. 22.03.20
*** Update, 15.69 Uhr: Außerirdische hacken sich in Rechner von ESOC MEES ein: Euer Virus ist eine Erkrankung innerhalb eurer Lebensmittelkette; Pfirsisch beleidigt, Erdbeere verdorgen und Hühnerragut zäh. Höchste Zeit was zu ändern. Ende der Nachricht. 

Sa. 21.03.20
*** Ausgehverbote, kein Problem liebe Außerirdischen, zuhause ist es eh am Schönsten. Es gibt RTL (2) und Sport1 mit vielen guten Formaten rund um die Uhr. Und viele kostenlose Live-Konzerte zum Streamen im Internet, meldet hiesiges Heimat Ministerium. Wer trotzdem raus will, schaut erst mal aus dem Fenster. Steht da eine Frau mit Kind am Steuer? Jesus ist nicht dein Freund, schalt den Apple rasch wieder aus. Kein Scherz. Das Spiel ist aus. Geh neuen Weg. Sonst kommen alle nicht mehr raus (klingt schräg. Ist es auch und nennt sich sozialer Abstand im Paralleluniversum)

*** Update: ESOC MEES hat inzwischen die Freitags Nachricht aus dem All mit einem Decoder entschlüsselt: Wir rennen auf eurem Planeten schon lang unter euch herum, sehen könnt ihr uns aber nicht. Ende der Nachricht.

 Fr. 20.03.20
*** Update, 17:16 Uhr: ESOC MEES empfängt merkwürdige Geräusche aus dem All.


Do. 19.03.20
*** Update, 09:42 Uhr: langweilig: zurzeit keine neuen Nachrichten zum Thema "Außerdirdische planen Besuch der Erde". Wett er better. Wir gehen spazieren. Eentuell begegnen wir ja einem Außerirdischen persönlich.

So. 15.03.20
*** Update, 08:08 Uhr: Krisensitzung von Welt-AG für späteren Nachmittag zum Thema Landung Außer-irdischer angekündigt - durchgesickert ist bereits: Aussetzung jeglichen Handels auf Parkett. Stornierung aller Bar - und Kreditzahlungen, Einweisung von Börsenmanagern und Händlern in geschlossenen Vollzug, Chart-Techniker müssen zurück auf Schul-Bank, um zu kapieren, was fundamentale Daten im Spielbetrieb sind und sich Frage stellen lassen, weißt du, warum ihr spekuliert? Wer weiterhin berauscht  arbeitet, muss damit rechnen, lebenslang inhaftiert zu werden

*** Update, 07:53 Uhr: Bestätigung vom EU- Aufsichtsrat: Außerirdische haben Ruder in Börsenspiel in guter Absicht übernommen, um Zickzack-Kurs auf Parkett abzufedern.
Doch leider reagiert dumme Menschheit falsch.

***" Update, 07:07 Uhr: Die Börsen spielten wochentags verrückt, während ganz Europa sonntags noch schläft. Offensichtlich haben intergalaktische Kräfte ins Spiel eingegriffen und versuchen überhitzte Gemüter zu beruhigen.

Fr. 13.03.20
*** Update,13:09 Uhr: Planlos im Umgang mit Außerirdischen - das Robert-Koch-Institut rät den Bürger:innen, freundlich zu sein im Kontakt mit Besuchern aus dem All, da unsere Erde noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse im Umgang mit außerirdischen Leben sammeln durfte. So dass abzuwarten bleibt, in welcher intergalaktischen Mission die Ankömmlinge unterwegs sind. 

*** Update 12:12 Uhr: Erste Bundesligavereine kündigen an, ihre Buden abzusperren, sobald Außerirdische vor ihren Stadien Schlange bilden sollten.

*** Update 12:05 Uhr: Sechs Bundesländer schließen ihre Schulen und Kitas. Reine Vorkehrung, heißt es aus Ländern. Damit es den jungen Menschen daheim nicht langweilig wird, gibt es ab nächsten Montag im Kinderchannel Kika+ ein Sonderprogramm über außerirdisches Leben. 

*** Update 11:38 Uhr: Ministerin der Streitkräfte, Frau AKK, will Bundesgebiet komplett abriegeln. Noch heute sollen Spezialeinsatzkräfte des Landes anrücken und klare Grenzen für Schengenbesucher abstecken, um so unkontrollierte Einreise von Außerirdischen zu verhindern. 

*** Update 11:28 Uhr: Das Rote Blatt, ein Medium Israels,  meldet in seiner heutiger Online-Ausgabe, das sich ein Außerirdischer bei ihnen spontan zu Besuch angekündigt hat. Derzeit laufe er am Sea Genezareth noch Schlittschuh, warum, weiß keiner, heißt es aus Militärkreisen. Er steht unter ständiger Beobachtung.

*** Update, 11:16 Uhr:  Die Außerirdischen tauchen offensichtlich an mehreren verschiedenen Örtlichkeiten unserer einen Welt gleichzeitig auf. So berichten Alice und Christoph Wagner, Forscherpaar aus Cern und unterwegs in Südamerikas Nationalparks, über hektisches Treiben in Tierwelt, welches sie bisher bloss kennengelernt haben, wenn ein ungewöhnliches Naturspektakel wie etwa ein Vulkanausbruch be-vorstand. 

*** Update, 11:15 Uhr: Autor Sasa Stanisic twittert, er habe Angst und will von keinem mehr berührt werden. Erst recht nicht von Außerirdischen Besuchern.

*** Update 11:00 Uhr: Mitglieder der Piratenpartei teilen aus aktuellem Anlass - Landung Außerirdischer -  mit, sie gehen in Kirche und beten für gesamte  Menschheit. 

***Update, 09:58 Uhr: US-Präsident erteilt von nun an Einreisestop für Europas Bürger:innen in die Vereinigten Staaten, um sicherzustellen, dass Außerirdische nicht die Luftbrücke nutzen, um in sein Land einzureisen.

*** Update, 09:57 Uhr: Physikerin Angela Merkel rät allen Bürger:innen, in Häusern, Werkstätten oder Lokalen Abstand zum Nebenmann zu halten. Niemand, auch nicht sie kann wissen, wie Äußerirdische auf gewöhnliche Menschen in geschlossenen Räumen reagieren. Sie will keine Verordnung rausgeben, aber ihre Empfehlung sei dennoch sehr ernst zu nehmen, so die deutsche Kanzlerin im Wortlaut weiter.

*** Update, 09:32 Uhr: interstellare Weltraumbehörde ESOC MEES meldet uns, Dr. Schingenschliff, Netzwerktechniker, hat sich von Zypern aus gemeldet, weil er dort ein ungewöhnliches Flugobjekt am Himmel von Insel beobachtet haben will. Zeitgleich sollen auch am Hudston-River Raumschiff gleiche Objekte aufgetaucht sein, das berichtet das dort ansässige physikalische Canadian Institute. Ebenfalls von dort bzw. ähnlicher Stelle berichtend, will Sänger Robin Williams Beobachtungen gemacht haben. Außerdem glaubt ein Radler aus Darmstadt ebenfalls, Ungewöhnliches am Himmel über der Stadt entdecken zu können. 

Wir bleiben dran am Thema. Aber auch unser Team ist in Sorge.  Wir haben keine logische Erklärung für das, was in unserer einen Welt gegenwärtig passiert. 

euer Blogteam

3. März 2020

Auf dem Ideen-Gipfel

Schweiz. Zusammen auf einem Ideen-Gipfel sitzend, denken wir nach über romantische Beziehungen - wovon leben sie, von Illusionen, von Verträumtheit, von Erinnerungen an schlechte Zeiten mit einem Verflossenen, um jetzt alles besser werden zu lassen, von einem gemeinsamen Feindbild, das sie berauscht und zusammenschweißt in guten wie in schlechten Zeiten? Oder ein Mix aus allen diesen Zutaten? Wir packen ein paar gute Gedanken zusammen, senken unsere Köpfe gemeinsam übers Storyboard und freuen uns alle zusammen über schöne neue Ideen für romantische Beziehungen. Der eine formuliert mit rosa Brille, ein weiterer bevorzugt mit dunkel gefärbtem Zwickelgläsern, ein anderer lehnt generell Sehhilfen zur Klarsicht ab - wir weisen auf Höhen und Tiefen wie bei einer anstrengenden Bergtour hin. Ob zwei es nach ganz oben schaffen, hängt nicht nur davon ab, ob sie ganz unten auch erfolgreich waren. Nein. Die Frage ist banaler: wo wollen beide gemeinsam hin - nicht nur im Urlaub, sondern auch im tagtäglichen Leben? Wie wichtig ist Freiheit für eine funktionierende Beziehung? Kann uns Algebra beim Finden von neuen Antworten helfen, ein neues Pferdebesteck (sorry: Insiderscherz auf dem Gipfel) oder sogar die Verbundkarte einer S-Bahnlinie? Wir kritzeln und krakeln zusammen auf dem Storyboard in einem hellen Kreativraum ohne Zutritt.

Die Ergebnisse unserer Ideen-Reise veröffentlichen wir in einem Weißbuch, sobald wir vom Gipfel zurück sind.

Euer Blogteam




3. Februar 2020

Sie will doch nur spielen

Pascal Schuh begleitet in seinem ersten Dokumentarfilm eine Rebornerin – eine Frau, die Puppen hat, die wie echte Babys aussehen und diese auch so behandelt
Quelle: SZ Magazin 20. Jan. 2020

FRAGE: Was gibt es den sogenannten Rebornerinnen, sich um die Puppen zu kümmern, als wären sie echt?
Pascal Schuh: Zunächst denkt man vielleicht an Leute, die ein Kind verloren haben, das ist ein Grund. Und es gibt die typischen Puppensammlerinnen, die das leidenschaftlich als Hobby betreiben. Bei Peggy Schulz geht es meiner Meinung nach um das Emotionale, das Muttersein und Gebrauchtwerden. Nachdem ihr Sohn ausgezogen ist, wollte sie diese Gefühle weiterhin haben. Außerdem bringt es einen Rhythmus in ihren Alltag und hält sie als Frührentnerin in Bewegung – sie geht jeden Tag bis zu zehn Kilometer mit den Babys spazieren. Natürlich könnte sich die Dame alternativ ein Haustier zulegen und dieses umsorgen. Oder sich um einen Mann kümmern. Aber das ist nicht das Gleiche. Ihr geht es um ein menschliches Urgefühl. Das Muttersein. Ein tiefes Bedürfnis des Gebrauchtseins. Puppen können dies selbstredend nicht leisten, doch Menschen wie Peggy spiegeln sich in ihrem kleinen, bedürftigen Gegenüber. Puppen weinen nicht - jedenfalls nicht die von Peggy. Und Peggy weint auch nicht, sie ist glücklich mit ihren Puppen. Auf Außenstehende wirkt Peggys Verhalten vielleicht ein bisschen verrückt, doch Peggy ist nicht verrückt. Der Film zeigt eindrucksvoll, wie pfleglich die ehemalige Kindererzieherin mit unechten Kindern aus Elastolin umgeht. 

(SZ Magazin)
Bitte lachen Sie nicht über diesen süssen Bericht. Jeder braucht ein Kinderzimmer zum Bespielen.

29. September 2019

Wird man als Lügner geboren, Herr Lentz?

»Jeder hinterlässt Spuren«

Marcus Lentz betreibt seit 1995 eine Detektei in Frankfurt. Bei seinem eindrücklichsten Fall geht es um einen Sohn, der den Kontakt zu seinen Eltern abbrach, 15 Jahre lang verschwunden war – und dann dort entdeckt wurde, wo ihn ganz bestimmt niemand erwartet hätte.

Jeder Mensch sei ein guter Lügner, sagt Marcus Lentz. 40 Detektive arbeiten für seine Detektei, nicht nur in Deutschland, sondern etwa auch in Hongkong, New York und London.

SZ-Magazin: Herr Lentz, wie wird man Detektiv?
Marcus Lentz (51): Man macht eine Ausbildung zweieinhalb Jahre lang, mit Prüfung vor der IHK.

Und was lernt man da?
Vor allem viel Rechtliches. Ein Detektiv darf sich zum Beispiel nicht als Polizist ausgeben. Und auch nicht als Pfarrer oder Arzt, Gerichtsvollzieher oder sonst ein Mensch, dem die Leute etwas anvertrauen, weil er ein berufsmäßiger Geheimnisträger ist, also eine gesetzliche Schweigepflicht hat. Ansonsten lernt man, wie man professionell observiert, wie man rechtskonform ermittelt und wie man eine Legende aufbaut.

Das heißt, Sie sind ein guter Lügner?
Jeder Mensch ist das. Wir alle lügen bis zu 100 Mal am Tag. Wenn einer behauptet, er hätte noch nie gelogen, ist das schon die erste Lüge.

Welche Legenden erschaffen Sie?
Das ist eigentlich unser Geheimnis. Aber ich kann ein paar Beispiele nennen: Ein Mensch, der vorgibt, eine leerstehende Wohnung anmieten zu wollen. Ein privater Paketzusteller. Jemand mit einer Autopanne. Eine gute Legende aufzubauen, ist gar nicht so einfach. Sie muss zu dem passen, der sie benutzen will und zu der Situation, in der sie benutzt wird. Wenn es darum geht, in einem Jugendclub zu ermitteln, schicke ich dort natürlich eher die 20-Jährige Kollegin als meinen 50-jährigen Mitarbeiter hin. Bei einer guten Legende muss man auf alle Details achten. Wenn zum Beispiel jemand vorgibt, dass gerade sein Hund im Wald entlaufen ist und er kurz telefonieren muss und hochhackige Stöckelschuhe trägt, wird das Gegenüber das vielleicht zuerst gar nicht bemerken, aber unterbewusst wird ihm irgendetwas komisch vorkommen. Er wird also bei seiner Antwort zurückhaltender sein. Gleiches gilt, wenn wir uns als Wohnungssuchende in Berlin-Neukölln ausgeben, aber eine Rolex am Arm tragen. Das passt nicht.

Was sind Ihre häufigsten Fälle?
Zu 70 Prozent beauftragen uns Firmen. Der Chef, der herausfinden will, ob sein Mitarbeiter tatsächlich krank ist oder nur so tut. Oder das Unternehmen, das dahinterkommen will, wer das Büromaterial klaut. Der Rest sind meistens die Klassiker: Untreue oder Unterhaltsbetrug.

Welcher Fall hat Ihnen am meisten bedeutet?
Das war eine Familienzusammenführung Anfang der Nullerjahre: Eltern wollten ihren Sohn wiederfinden, zu dem sie seit 15 Jahren keinen Kontakt mehr hatten. Mit 22 hatte er um die 300 000 Euro Schulden angesammelt – weil er Handyrechnungen nicht bezahlte, weil er sein Auto zu Schrott gefahren hatte, weil er hin und wieder kokste und sich gern mal einen Joint drehte. Dann verlor er auch noch seinen Job, bekam Angst und tauchte ab.

Und bei seinen Eltern hat er sich nie wieder gemeldet?
Zweimal relativ kurz nach dem Verschwinden schrieb er ihnen eine Mail von irgendeiner Wegwerf-Adresse, dass sie sich keine Sorgen machen sollen und dass es ihm gut geht. Seine Eltern antworteten natürlich, aber darauf reagierte er nicht. Das Verrückte ist, dass ein großer Teil der Schulden nach all den Jahren verjährt war, weil viele Gläubiger nie einen Mahnbescheid verschickt hatten. Und den Rest hatten die Eltern bezahlt, weil sie hofften, dass ihr Sohn dann zurückkommen würde. Doch aus lauter Scham traute er sich nicht.

Wie haben Sie den Sohn wiedergefunden?
Jeder hinterlässt Spuren. Bei ihm waren sie nach all den Jahren aber relativ kalt. Nachdem wir vielen Menschen Bilder gezeigt hatten, erinnerte sich irgendwer, dass er mit einer US-Soldatin zusammen war. Wir fanden heraus, dass er mit ihr gemeinsam mit einem Touristenvisum in die Staaten reiste. Dann fragten wir uns durch drei oder vier Bundesstaaten und waren vielleicht ein Vierteljahr unterwegs, bis wir ihn im Mittleren Westen der USA entdeckten. Er war verheiratet, hatte ein Kind, betrieb ein Diner an einer Autobahn. Er war nicht übermäßig reich, aber er führte ein gutbürgerliches, braves Leben.

Wie reagierte er, als Sie ihm sagten, dass Sie ein Detektiv sind und von seinen Eltern beauftragt wurden?
Schockiert und überrascht. Am Anfang auch etwas ablehnend, weil er sich so schämte. Außerdem hatte seine Frau keine Ahnung, was er in Deutschland für ein Leben geführt hatte. Ich glaube, da wäre jeder überfordert. Wir haben ihn erst einmal eine halbe Stunde in Ruhe gelassen und ihm dann ein Telefon geben, damit er mit seinen Eltern sprechen kann. Wir haben uns dann zurückgezogen.

Was wurde aus der Familie?
Wir haben ein Dankesschreiben bekommen, sie haben sich wohl auch alle getroffen und wiedergesehen. Aber für uns war die Angelegenheit dann erledigt. Wir sind keine Therapeuten. Was die Leute aus so einer Situation machen, ist ihre Sache.

Warum ist Ihnen der Fall so gut in Erinnerung?
Weil es einer der wenigen Personensuchen war, die gut ausging. Die Wahrscheinlichkeit, dass man jemanden wiederfindet, liegt bei 50 Prozent. Oft sind die Menschen tot, komplett abgetaucht oder reagieren völlig ablehnend. Dann dürfen wir auch keine Daten herausgeben. Was die Leute oft falsch verstehen: Wir werden nicht für das Ergebnis, sondern für unsere Bemühungen bezahlt.

Wie oft suchen Sie nach verschwundenen Menschen?
Vielleicht ein oder zwei Mal im Jahr. Das ist auch eine Kostenfrage – so eine Suche ist aufwendig, also teuer. Selbst wenn alles sofort funktioniert, kostet sie wenigstens 10 000 Euro. Bei dem Fall waren es etwa 65 000 Euro. Für die Familie war das viel Geld, sie waren selbstständige Handwerker kurz vor der Rente. Aber wir haben eben unsere Tricks und Kniffe, die wir uns bezahlen lassen – etwa unsere Kontakte bei der US-Army./sz

Nächste Woche im Heft
Sascha Lobo, Blogger und Buchautor, hat sich mit dieser bizarren und zugleich faszinierenden neuen Welt so tiefgründig beschäftigt wie kaum jemand sonst. Deshalb haben wir anlässlich des Erscheinens seines neuen Buchs „Realitätsschock“ mit ihm über die unterschiedlichen Facetten der neuen Normalität gesprochen.

Verkleidungskünstler: Eine Mode-Designerin entwirft Kleidung, die Gesichtserkennungssoftware verwirren und dadurch die Privatsphäre schützen soll.