News, Kunst und Unterhaltung
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23. Juli 2022

Ein unvergessener Abend

 

Gestern Abend im Theater. Die Stuhlauslastung ist, glaubt man an die Aussagekraft einer Excel-Datei, zu 100-Prozent an diesem Premiere-Abend erfüllt. Auf der Bühne läuft "Stella" vom alten Herrn von Goethe. Eine Liebesschnulze aus dem 18.Jahrhundert. Eigentlich kein Stück zum Besprechen. Eine Dreiecksbeziehung, in der geknutscht, gestritten und sich getrennt wird. Ibasta. Im Grunde richtig langweilig für den Menschen des 21. Jahrhunderts. Die Story lockt die heutigen Liebesmenschen doch nicht mehr aus der Reserve. Blickt man in die Boulevardblätter der Gesellschaft, hat der Zuschauer dieses Schauspiels fast Mitleid mit den Menschen vergangener Jahrhunderte. Diese Beschränkungen, diese Gängelungen, diese Prüderie - möchte man laut auf die Bühne schreien. Was tut ihr den Bürgern mit euren gesellschaftlichen Vorstellungen von Zusammenleben bloß an! Seit ihr denn alle verrückt geworden! Goethe selbst hat sich privat übrigens nichts vorschreiben lassen. Es hat geliebt - wen und soviel er wollte. Ibasta.

26. September 2021

Sammlung verortneter Zitate

Kreativität frei se tz en heisst nicht - Kreative vor die Tür setzen - Elon Musk beschrieb den Kapitalmarkt kürzlich als einen Manisch-Depressiven, der den Wert von Unternehmen festlegt – in manischen Phasen absurd hoch, in depressiven Phasen absurd niedrig –, ohne dass sich am Unternehmen selbst etwas geändert hätte

28. November 2020

Wo Kunst zuhause ist

Immer wieder laden Künstler zu Rundgängen in Kunsthochschulen, Galerien und Lofts ein. Zeigen Bilder mit Blick auf die Welt, fangen dabei  Szenen ein, zeichnen Großes kleinformatig, Kleinigkeiten werden detailgenau großflächig abgebildet. Sie malen und zeichnen liegend, stehen und hin und wieder sitzend ein Stillleben, ein Portrait, eine Landschaft im eigenem Atelier, haben Musen oder auch mehrere Inspirationsquellen. Sie verfremden, tragen dick auf, nutzen eigene Maltechniken und setzen Farbe als Stilmittel ein.
Doch wer kennt schon Künstler, haben sie je einen beim Arbeiten gesehen oder beobachtet? Bestimmt nicht. Bloß das Ergebnis dürfen wir anschauen. Richtig so. Kunst erlebt Freiheit durch Abschottung. Und öffnet sich im geschützten Raum im richtigen Moment fürs Publikum. 

15. April 2020

Nächster Corona-Homeoffice

Alle bereits im Homeoffice angekommen? OK, dann schaltet mal die Technik an, startet Sky, Zoom, TeamViewer und Microsofts Yogakurs. Nun checken wir gemeinsam unsere Mails, gleichen Termine im Kalender ab und teilen Aufgaben aus. Jogi, du schnipselt ein Video für unser Marketingteam; Eric, du setzt Ton auf Bilder und Marko, du spielst den TeamViewer und kontrollierst mit einem Blick über deren virtuelle Schulter, ob die zwei alles richtig machen. Ok? Danke. 

Der Rest des Teams schaut bitte selbst, wie ihr den Tag rum kriegt. Bitte keine Gameshows anschalten. Ihr dürft gern Pause in eurer Küche einlegen, ein paar Löffel und Gabeln in die Spülmaschine sortieren und euch einen Kaffee oder eine zuckerfreie Cola holen.  

So für unsere Leser:innen haben wir bereits eine schöne Nachricht aus dem Netz gefischt: bestimmt wollte ihr schon mal euer eigener Star in einem selbstgebastelten Video sein. Also legt Schere zurück, geht schließlich jetzt alles ganz leicht digital. YouTube gibt kleinen Firmen ein neues Werkzeug an die Hand, mit dem sie ganz problemlos kleine Kurz-Videos selbst produzieren können. Der kostenlose Video Builder kombiniert und animiert Texte, Grafiken und Logos, untermalt von Stücken aus YouTubes Musik-Bibliothek. Erste Aufgabe: Schnipselt euch doch bitte selbst - nur aus Spaß - in einen Pornodreh oder in eine spektakuläre Rettungsaktion in einem lichterloh brennendem Haus. 
Versprochen: ihr macht euch zu zauberhaften Helden des Tags.

Wir freuen uns auf eure Video-Zuwendungen !!!

Es grüßt und wünscht kreative Zeit im Homeoffice, bleibt sauber und ordentlich
euer Team von stellysee

1. März 2020

Sontagselbstversuch

An Sontagen wie diesem schaut man ins Literatur-Regal und findet Lektüren wie diese:
  • Zeitreisende
  • Korrektouren
  • Frans im Glück 
  • Meiers Almanach
  • Gutjahrs letzte Gedanken
  • Siebte Säule der Erde
Wir greifen zum Ersten. Eine Reise in der Gegenwart, welche zurück in die Vergangenheit führt. Alles kommt bei den Protagonisten anders, obwohl es sich für sie irgendwie bekannt anfühlt. Klingt schräg, ist es aber nicht. Dabei greifen wir zum Zweiten und beginnen zu lesen. Ein Roman, in dem sich die Hauptfigur anschickt, in seiner Geschichte zu fummeln. Er ist natürlich mit Menschen verbunden, so dass auch diese Leben aufgrund dieser Fummelei beeinflusst werden. Sie begegnen sich rein zufällig, ihre Wege trennen sich wieder, und dennoch bleiben diese Begegnungen nicht ohne Wirkung. Als Leser fragt man sich hin und wieder, wären sich manche Menschen besser nicht begegnet, hätte ihr Leben eine ganz andere Wendung genommen oder ist manches einfach schicksalhaft dem Menschen vorbestimmt. Gibt es Zufälle - wirklich? Hat der Mensch einen freien Willen, kann er freie Entscheidungen treffen? Zurück zum Ersten: Protagonist lernt im Laufe des Romans eine Frau kennen (Erster Roman). Er glaubt sie zu kennen. Woher weiß er nicht. Sie erinnert ihn an eine Person. Nur an welche? Wenn er träumt, begegnet er sich selbst in seinem Traum - als Jedi (Zweiter Roman). Dieser Jedi erlebt viele Abenteuer und begegnet vielen Fabel- und Feenwesen. Traum - Wachsein. Irgendwann wissen alle nicht mehr, schlafen wir oder wachen wir, schlafen wir allein oder zusammen in einem Schlaflabor mit einem Jedi oder Zeitreisenden. Nun sind wir vom Ersten und Zweiten so verwirrt, dass wir beide Lektüren wieder ins Regal stellen. 

Solltet ihr auch mal mit zwei Eurer Lieblingsromane ausprobieren. Solange hin und her lesen, bis sich alle Geschichten miteinander verbinden. Wenn´s dann aber so verwirrend wird, wie bei uns, unser Tipp: ruhig die Romane zurückstellen, Mütze Schlaf nehmen und vom Ende der Geschichten träumen. Wir - sprich das Redaktionsteam - träumt immer eine Love-Story. Irgendwie schön an einem Sonntag wie diesem.





23. November 2019

Interview über Kunstaufgaben

In einem Interview mit der Künstlerin Hito Steyerl fragt Die ZEITWas könnte die soziale Funktion der Kunst sein?

Steyerls Antwort auf diese Frage: Wir sind strukturell mit der Finanzindustrie, mit der Waffenindustrie, mit Steuerhinterziehern und Schlimmerem zusammengespannt. Aber was, wenn wir Künstler und Kunstarbeiter mit unseren Ressourcen etwas entwickeln würden, das man in Anlehnung an den New Green Deal als New Deal der Kunstwelt bezeichnen würde? Ein neues Übereinkommen über Fragen: Wie findet Bezahlung statt, wie werden Künstler entlohnt? Wie wird die Verwaltung, vielleicht auch Selbstverwaltung von Institutionen organisiert? Welche Art von Sponsoren möchte man haben? Welche Umweltrichtlinien gibt man sich? Wir können große Ausstellungen und Projekte innerhalb kurzer Zeit realisieren, mit unseren Fähigkeiten könnten wir problemlos ganze Freihandelszonen verwalten. Von KI über Logistik bis Architektur können wir alles Mögliche. Dieses Potenzial aktiv für einen solchen New Deal zu nutzen wäre produktiv. Stattdessen beißt man sich daran fest, wer wem was im Einzelfall verbieten darf. Es geht aber ums Prinzip.

Eine ausführlichere Version des Gesprächs im Internet www.zeit.de/hito-steyerl


Mehr nette Gespräche mit interessanten Menschen finden Sie auf unserer Interviewseite.

4. November 2019

Fälschung: Aktie an Wand

Wie ein Berliner Galerist ins ganz große Kunstgeschäft einsteigen wollte – und jetzt wegen dringenden Betrugsverdachts verhaftet wurde  

Zwei Männerhände ragen aus einer weißen Wand und halten zerknüllte Dollarscheine fest. Um die Handgelenke hängen eine fette Golduhr – und solide Handschellen. Der Schweizer Künstler Fredy Hadorn hat 2009 dieses täuschend echt aussehende Werk aus Kunststoff geformt, es soll an den Investment-Betrüger Bernie Madoff erinnern, und es ist ein etwas sehr deutliches Symbol dafür, dass sich auch in der Welt der Kunst vieles nur noch um Geld und Gier und Anlagebetrug und Gesichtsverlust dreht. Zum Nikolaustag 2018 postete der Berliner Galerist Michael S. dieses Kunstwerk auf Instagram: »We wish many gifts for everyone« stand darunter.
Manchmal übertrifft die Wirklichkeit noch die größten Klischees in der Kunst. Vergangene Woche nämlich wurde ausgerechnet jener Galerist, der die Nikolausgrüße mit den Handschellen-Händen in die Welt geschickt hatte, in Charlottenburg vom Berliner Landeskriminalamt festgenommen. Der Haftrichter erließ einen Haftbefehl. Der 67-Jährige muss aber nicht ins Gefängnis, sondern sich nur bis auf Weiteres regelmäßig bei der Polizei melden, die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Es geht um schweren Betrug beim Verkauf von Kunstwerken; mehrere Personen sollen betroffen sein, der Schaden betrage etliche Millionen Euro. 

7. Oktober 2019

No Platic beim König des Einrichtens

Zu Hause beim König

Der Belgier Axel Vervoordt handelt mit Kunst, stattet Häuser von Hollywoodstars aus und lebt selbst in einem Schloss, wo wir ihn besucht haben. Für das Einrichten von Räumen hat er einen wichtigen Rat: Kein Plastik!

Eigentlich ist das hier eine Galerie, aber gerade sieht es eher nach Baustelle aus. Plastikplanen flattern, Arbeiter studieren Pläne, Popmusik plärrt aus einem Radio. Mittendrin Axel Vervoordt. Er trägt ein blaues Sakko und blaue Socken, Staub haftet an seiner Schulter. Vor ihm wird eine Raumskulptur des dänischen Künstlers Per Kirkeby aufgebaut, der voriges Jahr verstorben ist: eine meterhohe, kreisförmige Struktur aus roten Ziegeln. Die Zeit drängt, denn am kommenden Wochenende soll die Ausstellung eröffnet werden. Noch kann man sich schwer vorstellen, dass hier, in einer ehemaligen Mälzerei in dem kleinen Ort Wijnegem bei Antwerpen, in wenigen Tagen internationale Kunden und die Kulturszene der nahen Großstadt mit Sekt anstoßen werden. Vervoordt ist in Eile, bald muss er zum Flughafen. Dafür hat er seine blauen Socken angezogen. »Blau ist die Farbe der Luft«, erklärt er. Er reise viel, seine Assistentin meint sogar, zu viel, er solle weniger reisen mit seinen 72 Jahren.

29. September 2019

EinBlicke ins Erdreich

Der Künstler erhebt sich nicht über die Welt, er legt sich mitten hinein, mitten in eine Wiese mit Löwenzahn, Schafgarbe, Ehrenpreis, mit Grashalmen, die in der Nase kitzeln. Lange vor Franz Kafka hat der Renaissancemaler Albrecht Dürer (1471-1528) die Käferperspektive zu seiner eigenen gemacht. Er taucht ein in die Sphäre des Übersehenen, und fast könnte man meinen, er habe für sein berühmtes Rasenstück den Halmen beim Wachsen zuschauen wollen.

Dürers Blick geht so tief, dass er unter die Erde dringt und auch hier, gewissermaßen im Schmutz der Existenz, nach dem Ausschau hält, was bildwürdig sein könnte.

Christof Metzger, der die Ausstellung im Wiener Albertina kuratiert hat, denkt nicht, dass es sich hier nur um Studien oder Vorzeichnungen für spätere Bildvorhaben gehandelt habe. Viel zu aufwendig sei die Ausführung, viel zu üppig der Detailreichtum.

Dürers Flugblätter können noch bis 6. Januar 2020 observiert werden.

20. September 2019

Gemälde ohne Maler

Ein Jahr ist es her, da wurde in New York für sehr viel Geld ein Gemälde versteigert, dessen Maler niemand kennt und auch niemals kennen wird. Denn es gibt hinter diesem Werk keinen Autor, es gibt nur einen Algorithmus, er hört auf den possierlichen Namen min G max D Ex[log(D(x))]+Ez[log(1-D(G(z)))] und hat das Porträt entsprechend signiert. Manchen kam das vor wie ein Epochenbruch.

Die ganze Story erzählt ihnen Die Zeit Nr. 39/2019

26. August 2019

Twitter sperrt Tom

Twitter verhält sich "wie eine schmierige Versicherungsbude" und bringt "die Zensur zurück nach Deutschland", empört sich Schriftsteller Tom Hillenbrand. Sein Account ist seit mehr als 100 Tagen wegen satirischer Tweets gesperrt. Twitter ist nicht erreichbar, auch ein übersetzter Gerichtsbeschluss bringt nichts. /sz