Die Seite 6

Theaterstreichkonzert

Sitze im Prinzregententheater und verfolge das Stück "When Doves Grey". Während der Protagonist Günther Sax mit Birgit Preuler auf der Bühne herumwirbelt, piepst ein BTX-Rad. Ein Mann mit schwartzergrüner Robe erhebt sich im Zuschauerraum, anscheinen ein Pfarrerin, und entschuldigt sich hölflich. "Ich gehe sofort hinaus und schalte den Sicherheitscode aus", verspricht der Mann mit freunlichem Blick. Man kann ihm nicht böse sein, er schaut nett aus. Er könnte selbst rüpsend vor einem stehen, man würde ihm glauben, was er sagt. 

Dann betreten Jan Börmermann und Ina Muller brüllent die Bühne

Ich bin absolut fassungslos. In welcher Inszierung bin ich hier denn aufgeschlagen. Darf hier denn jeder mal seinen Seesam öffnen und mit einer verbalen Flotte beim Publikum anlegen. Büllent hat den Khan auch bereits betreten. Ich weiß nicht, ob ich jetzt vorab schon mal lachen oder heulen soll. Was kommt als nächstes? Eine Handbänging-Orgie oder ein schwabisches Geschwalle. Ich fürchte mich. Es kommt schlimner - nämlich komisch



Ich streichele fremdschämend aufgebügeltes Berchen meiner Jeanshose. Gibts denn nicht auch fanny Bitches in Theaterwelt. Oder wohnen die alle in Frankreich bei D´Nöff? 
Meine Gedanken erhört eine lachende Kuh namens Kerstin. Sie betritt gemeinsam mit Helene Fischer die Stage.



Ich schunkele mit zur Musik. Völlig begeistert von den beiden Damen, deren Stimmen so schön miteinander harmonieren. 

Die Pausenglocke ertönt. Jetzt trinke ich erst mal einen Wodgar am Thekchen. Im Vorraum von Bühne finde ich Flyer über Kettenreaktionen in Physikalischen Weltraumstationen. Das scheint interessant. Ein Pflug zu Petterchens Mond oder gar zu Xaviers Mars. Das wäre doch escht super. Wo lässt sich die Reise buchen. Ich bin dabei. Der Hübsche hinterm Tresen weiß es nicht. Er funkt die Suflöse an. Die weiß es auch nicht. Was ein Theaterabend. Was eine kulturelle Erfahrung. Ich wünschte mein Freund Blümchen wäre bei mir und wir könnten die erlebten Eindrücke gemeinsam verarbeiten.

Pause beendet.

Harald und Barbara warten bereits auf uns.

 
Die beste Ulknudel des deutschen TVs - Barbara S. Die kann Augen wie eine Kuh aufreisen. Schruppend und putzend auf allen vieren fing sie einst ihre Fernsehkarriere an. Lange her - wie man sieht. Die hat sich jedenfalls nicht hochgeschlafen. Sie hat sich hochgeputzt. Warum denn nicht? Aber warum sprechen die zwei nur über ihre Brüste und ihren Glitter? Wie wärs mal mit Narzisten im Fernsehen und dämliche schwulen Witze von Emla Hörig. Oder Mundraub, Besenkammer und Sexpuppen. Ich schreibe Geschichte neu:

Harald: Muss man sich hochschlafen und narzistisch veranlagt sein, um weit zu kommen Barbara?
Barbara: Frauen schlafen sich bekanntermaßen nach oben, Männer machen dafür ein Jägerzertifikat und schießen ihre Konkurrent(innen) einfach kurzerhand ab. 
Harald: Nennt mann wohl Jobschering. (lacht)
Barbara: Stimmt. Ich habe mich fürs putzen entschieden. Du glaubst nicht, wie dreckig die Studios sind. Da gibts immer was zu tun.
Publikum klatscht. Frauen gröhlen. Männer weinen über Humor.

Harald: Ich habe gehört, du liest zur Zeit Siddharta von Hesse.
Barbara: Stimmt auch. Hat er übrigens in Bern geschrieben, dieser alte Haudegen. 
Harald: Echt?
Barbara: Wusstest du das nicht?! (lacht laut)

Sie geht von Bühne mit den Worten "Muss ganz schnell zu meiner Familie, Karriere machen, Harald. Machs gut. Du hast es ja bereits geschafft, wenn ich mir deinen Fuhrpark angucke. Alles Liebe."

Harald winkt ihr hinterher. "Machs gut meine Liebe. Witz geht auf deine Kosten. Aber Wurscht. Du bist so schön."

Alle verlassen die Bühne.

Ich wische mir die perlende Hitze vom Hautsektor. Bin gespannt, wer meinen Theaterbesuch als nächstes aufmischt. 

Aus der Ferne höre ich einen Einspieler. Einer ohne Namen stürmt die Stage. Ein Taxi fährt vor. EoN öffnet die Taxitür. Eine Frau springt heraus. Ich erkenne Malte in ihr. Im Arm hält sie einen Kaiser. Etwas verwirrt von der plötzlichen Bühnenhektik erkenne ich unverhüllte Gesichter. Sofort geht das Geschreie los, besser gesagt:Musik startet. 



Ja du meine Güte, wie soll ich dabei abheben oder zum Schwaeben kommen. Froh bin ich. Die Kerstin winkt hinterm Vorhang laut lachend Richtung Publikum. Ihr gefällts also. Ich blättere gelangweilt in den mitgebrachten Fuxienbriefen und suche nach lukrativen Kunstanlageobjekten. Exponat S7 gefällt mir. Preis: 500 000 Euro. Geht doch. Aber Malte und der Kaiser. Noe. 

Ich geh dann mal ... aufs Klo. Konturen nachzeichnen, Nase pudern, mit den Fingern durchs Haar fahren. Ich lasse mir Zeit für die kleine Klospielzeit. Die unauffällige eingebaute Kamera im Spiegel ignoriere ich. Solln se doch ihre Filmchen von Klobesuchern im Theater drehen. Wir machen ja hier no-6 oder üben Trekking-Games. Alles keuch. Das ist ja kein Rückzugsraum für einsame Privatleute zum Umarmen. Doch ist ein Kloraum in einem öffentlich zugänglichen Theater tatsächlich privat oder doch mehr öffentlich vom Charakter. Darf man dort gefilmt werden? Von Deckenwand oder womöglich sogar - von unten - aus dem Hohlraum der Schüssel? Wenn man auf dem Klo isst? Von der Decke oder vom Spiegel aus. Ich habe keine Ahnung. 

Beim meinem Eintreffen im Zuschauerraum haben Malte und der Kaiser bereits Platz gemacht. Die Bühnenarbeiter sind noch mit dem Umbau für nächsten Künstler beschäftigt. Im Seitenschiff des Theaters kommt es zu lautstarkem Tumult. Ich bekomme es mit der Angst zu tun. Ich sehe ein Boot. Ein Trupp von young People ganz in schwarz gekleidet. Muss ich jetzt beim Weltuntergangs-Theater-Klimagipfel mitmachen. Sind etwa "Greta and climafriends" schon da, um Zuschauer zu observieren? Oder gar zu beschimpfen? Ich höre mir die Botschaft des Sängers lieber vom Westflügel des Theaters an. 



Schöne Musik.

Übermorgen fliege ich mit Billigflieger Condor lastminute 
in den Urlaub. Gelebter Eskapismus. Die Vorstellung im 
Prinzes:innentheater beginnt nicht nur mir - 
sondern auch dem Rest von Besuchern - langsam 
besser zu gefallen. Woher ich das weiß? 
Habe ja schließlich keine Umfrage im Theater gemacht.

Ehrlich? Keine Ahnung. 

Und nü? Zuckerberg? Singt der jetzt auch noch?


Jetzt bloß nicht abheben.
Sonst müssen alle heulen.

** Sorry, bei Umzug sind uns Videos der Veranstaltung entwendet worden. Wir bitten Sie, das zu entschuldigen. Wir reichen die Videoeinspieler natürlich zeitnah nach, um Sie in den Genuss wunderschöner, musikalischer Einlagen zu bringen.


In Zwischenzeit machen wir mal weiter. 

Ein Herr Schlemmer meldet sich zu Wort. 
Wie soll mann hier denn schalfen, ihr Casper?" (zum Publikum gewandt)
Ein dickes Kind hüpft auf die Bühne. Ein Junge. Ein weiteres Kind kommt. Ein Mädchen. Sie legen sich auf die Bühne und schlafen genüsslich ein. 



Sorgfältig faltet mein Theaternachbar seine Ticketkarte ins Kleinformat. Damit wird es später die Zimmertür eines Hotelzimmers kapern. Ich habe das Gesicht doch neulich erst bei XY gesehen. Kruseliger Typ. Ihm wachsen Haare aus seiner Nase. 





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